Energiearmut

Energiearmut lindern

Im Rahmen der 2030-Ziele des Konvents der Bürgermeister in Europa verpflichten sich die Unterzeichner nicht nur zu Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Anpassung an seine unvermeidbaren Folgen, sondern auch dazu, den Zugang zu einer sicheren, nachhaltigen und erschwinglichen Energieversorgung für alle zu garantieren. Im europäischen Kontext bedeutet dies, Maßnahmen zur Linderung der Energiearmut zu ergreifen. Indem sie die Energiearmut lindern, können die Unterzeichner des Konvents die Lebensqualität ihrer Bürger verbessern und eine gerechtere und inklusive Gesellschaft schaffen.

Was ist Energiearmut?

Energiearmut kann wie folgt definiert werden:

„Eine Situation, in der ein Haushalt oder eine Person sich grundlegende Energieleistungen (Heizung, Klimatisierung, Beleuchtung, Mobilität und Strom) nicht leisten kann und somit ein angemessener Lebensstandard aufgrund einer Kombination von niedrigem Einkommen, hohen Energiepreisen und einer niedrigen Energieeffizienz ihrer Wohnungen nicht gewährleistet ist.“

European Commission, Citizen Energy Forum 2016

Im Klartext heißt es, dass schutzbedürftige Bürger entweder keinen Zugang zu Energiedienstleistungen haben oder, dass die Nutzung dieser Energiedienstleistungen ihre Möglichkeit, andere grundlegende Dienstleistungen zu nutzen, unterminiert. Von Energiearmut betroffen zu sein, kann sehr nachteilige Folgen für die Gesundheit, das Wohlbefinden, die soziale Inklusion und die Lebensqualität haben. Energiearme Haushalte können einige grundlegende Energiedienstleistungen, z. B. Beleuchtung, Heizung/Klimatisierung, Gerätenutzung, Transport u. v. m., unzureichend nutzen. Aus diesem Grund muss die Energiearmut in vielen Bereichen der Politik – u. a. in der Sozial- und Wirtschaftspolitik sowie natürlich in der Klima- und Umweltpolitik – berücksichtigt werden.

Energiearmut ist ein komplexes Thema: sowohl die Einschätzung des aktuellen Ausmaßes der Energiearmut in europäischen Kommunen als auch die Beurteilung der Auswirkungen, die diese auf das Leben der Bürger hat, sind keine leichten Aufgaben. Schätzungen zufolge ist 1 von 10 Bürgern von Energiearmut betroffen. Zahlen zeigen, dass in Europa:

57 Millionen Menschen ihre Wohnung im Winter nicht warm halten können [1]

104 Millionen Menschen ihre Wohnung im Sommer nicht angenehm kühl halten können [1]

52 Millionen Menschen ihre Energierechnungen nicht rechtzeitig zahlen können [1]

10 Millionen Menschen mehr als 30 Minuten zu Fuß gehen müssen, um Zugang zum öffentlichen Nahverkehr zu haben [2]

[1] https://www.energypoverty.eu/  [2] http://www.docutren.com/pdf/boletin/[IIIA%201440].pdf

Energiearmut bekommt in Europa immer mehr Aufmerksamkeit und wurde von einigen EU-Institutionen als ein wichtiger Schwerpunkt der Politik erkannt, wie aus dem Legislativpaket 'Saubere Energie für alle Europäer' der Europäischen Kommission hervorgeht. Im Rahmen der Bemühungen der Europäischen Kommission, um das Thema Energiearmut in allen EU-Staaten anzugehen, wurde in 2018 die Europäische Beobachtungsstelle für Energiearmut (Energy Poverty Observatory, kurz: EPOV) ins Leben gerufen. Das Ziel von EPOV ist es, die Messung und Überwachung von Energiearmut zu verbessern und Wissen sowie bewährte Verfahren zu diesem Thema zu teilen. Mehr Informationen über EPOV finden Sie hier.

Der Europäische Konvent der Bürgermeister und EPOV tun sich zusammen, um der Energiearmut entgegen zu treten. Diese beiden von der Europäischen Kommission finanzierten Initiativen werden lokale und regionale Behörden in ganz Europa bei der Linderung der Energiearmut unterstützen, indem sie Wissen und Ressourcen zum Aufbau lokaler Kapazitäten teilen.

Nützliche Links

In der Rubrik nützliche Links finden Sie die für die Konventteilnehmer relevantesten Publikationen zu Finanzierungsmöglichkeiten, einschließlich Musterbeispiele und gewonnener Erfahrungen.

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